Paula Modersohn-Becker. Pionierin der Moderne

18. Juli bis 19. September 2010

 

Paula Modersohn-Becker (1876–1907) hat als eine der wenigen Frauen Wesentliches zur Entwicklung der Kunst der klassischen Moderne beigetragen und gilt heute als Pionierin in der Malerei. Zwar liegen ihre künstlerischen Wurzeln in Worpswede, doch sie erkennt sehr bald, dass die Enge der Künstlerkolonie mit den ästhetischen und thematischen Konventionen des ausgehenden 19. Jahrhunderts sie nicht weiterbringt: In der Silvesternacht 1900 bricht sie erstmals nach Paris auf. Die pulsierende Kunstmetropole lässt sie nicht los und so zieht es sie in den ihr noch verbleibenden sieben Lebens- und Schaffensjahren weitere drei Male in die Stadt an der Seine. Dort holt sie sich die Inspirationen sowohl im Louvre beim Studium der alten Meister und antiker Bildwerke als auch bei Künstlerkollegen wie Auguste Rodin, Paul Cézanne oder Paul Gauguin.

 

Paula Modersohn-Beckers Bilder zeugen von der Suche nach der großen Einfachheit der Form, die sie vor allem in den Jahren kurz vor ihrem viel zu frühen Tod meisterhaft umzusetzen verstand. Doch war es gerade diese grobe, runenhafte Ausdrucksweise, die bei vielen Zeitgenossen auf Unverständnis stößt. Anlass dazu gaben unter anderem ihre Kinderbildnisse. Denn im Gegensatz zu den über Jahrhunderte hinweg liebreizenden, engelsgleichen dargestellten Geschöpfen, entfernt sie sich drastisch von diesen traditionellen Erwartungen. Paula Modersohn-Becker strebte die Reduzierung komplexer Bildgegenstände an, wobei ihr Schwerpunkt auf weiblichen Figuren und Selbstporträts lag. In diesen befragt sie sich immer wieder neu und schuf mit dem Selbstbildnis am 6. Hochzeitstag 1906 schließlich eine Inkunabel der Kunstgeschichte, den ersten Selbstakt einer Frau.

 

Die Retrospektive, die in Zusammenarbeit mit der Kunsthalle Krems erstellt wurde, bietet einen Überblick über das Lebenswerk der Künstlerin, die trotz der kurzen Schaffenszeit ein erstaunliches Spektrum an Werken hinterlassen hat. Besonders erfreulich sind die Leihgaben privater Sammler, die es ermöglichen, Bilder zu zeigen, die nie zuvor in Bremen zu sehen waren. Ein weiteres Highlight ist ein Gemälde Paula Modersohn-Beckers, das als Neuzugang der Museumssammlung dem Publikum erstmalig präsentiert wird. So bietet die Ausstellung auch für Kenner der Künstlerin neue und spannende Blicke.

 

 

Noble Gäste. Meisterwerke aus der Kunsthalle Bremen

bis 31. Dezember 2010

 

Die Kunstsammlungen Böttcherstraße beherbergen bis zum Ende des Umbaus der Kunsthalle Bremen 38 Werke, die sich perfekt in die eigenen Sammlungsbestände einfügen.

 

35 Bilder von Paula Modersohn-Becker ergänzen die Dauerausstellung in dem Museum, das der Malerin gewidmet ist. Nach den großen Sonderausstellungen zum 100. Todestag von Paula Modersohn-Becker in beiden Häusern, die das Werk der Künstlerin unter vergleichenden kunsthistorischen Aspekten beleuchtet haben, lassen sich ihre Arbeiten nun in der direkten Gegenüberstellung monographisch betrachten. Selbstbildnisse, Stillleben, Porträts und Landschaften aus allen Schaffensphasen zeigen die stilistische Entwicklung der Künstlerin. So bietet sich die einmalige Gelegenheit, allein 5 Selbstporträts nebeneinander zu sehen. So hängen erstmals die bekannten Werke Selbstbildnis vor grünem Hintergrund mit blauer Iris (1905) aus der Kunsthalle und Selbstbildnis am sechsten Hochzeitstag (1906) aus dem Paula Modersohn-Becker Museum zusammen.

 

Darüber hinaus sind drei Gemälde aus der Kunsthalle Bremen von Lucas Cranach d. Ä. zu Gast in der Böttcherstraße. Der Bestand des Museums im Roselius-Haus, zu dem die Reformatoren-Gemälde und der Schmerzensmann gehören, wird so um zwei wichtige Motive Cranachs erweitert: die Heilige Dreifaltigkeit und die Quellnymphe. Letztere verbildlicht ein beliebtes Thema der Zeit nach 1500 und zeigt, dass Lucas Cranach sich nicht nur sakralen, sondern auch humanistischen Bildthemen widmete.