Museum im Roselius-Haus – Wohnräume der Kunst

Museum im Roselius-Haus

Das Roselius-Haus ist der historische Mittelpunkt der Böttcherstraße. 1588 wurde es im Stil der Renaissance errichtet, wahrscheinlich beinhaltet es sogar Teile eines gotischen Vorgängerbaus aus dem 14. Jahrhundert. Ludwig Roselius, erfolgreicher Bremer Kaufmann, Erfinder des entkoffeinierten Kaffees und Gründer der Kaffee Handels-Aktien-Gesellschaft (HAG) kaufte das Bauwerk 1902 und begründete damit sein Engagement für die Böttcherstraße. Dem Idealbild eines mittelalterlichen Bremischen Bürgerhauses folgend, ließ er das Gebäude umgestalten.

 

1928 eröffnete er das Museum im Roselius-Haus und machte damit seine kostbare Sammlung von Kunst und Kunsthandwerk des nordeuropäischen Raums der Öffentlichkeit zugänglich. Der Bau wurde im Zweiten Weltkrieg beschädigt, doch konnte er genau rekonstruiert werden. Die Sammlung wurde durch Auslagerung gerettet, so dass sich das Museum heute so präsentiert, wie es der Gründer wollte: Erlesene Einrichtungsgegenstände erzeugen die stimmungsvolle Atmosphäre gehobener bürgerlicher Wohnkultur. Hochrangige Kunstwerke fügen sich in ein Ensemble von kosbaren Möbeln, Teppichen, Wandbekleidungen und Kunstgewerbe.

Diele

Die Diele des altbremischen Bürgerhauses diente als Empfangs-, Umschlags- und Werkstattraum. Im Roselius-Haus erinnert sie an die kaufmännische Tradition Bremens. Als Willkomm dient die mittelalterliche Eichenholz-Skulptur des Hl. Christophorus, des Schutzpatrons der Schiffahrt (um 1510/20).

 

Das Schiffsmodell eines Tonnenbojers (18. Jh.) erinnert an die Bedeutung der schiffbaren Weser für Bremen, während der lübeckische Waagbalken (16. Jh.) den hansestädtischen Handel vergegenwärtigt. Spindeltreppe wie Galerie, von der einst der Hausherr das geschäftige Treiben kontrollierte, sind Nachbildungen der 1944 zerstörten Barock-Einbauten. Die Einrichtungsgegenstände sind jedoch erhalten geblieben: der 14-armige Bronzegußleuchter, beide Eichenschränke (17./18. Jh.), der Tisch (17. Jh.) und die bäuerlichen Dreieckstühle (18. Jh.). Die Gravur der bremischen Zinn-Tellerschale (18. Jh.) mit ihrem Lob auf den Handel könnte als das Motto für den ganzen Raum gelten: »O Herr, laß diese Quelle nie versiegen«.

Cranach-Raum

Lucas Cranach der Ältere (1472–1553) gilt als bedeutendster deutscher Künstler der Reformationszeit. Anfänglich Landschaftsmaler, konzentrierte er sich bald auf Porträts.

Seine Gemälde dokumentieren die Umbruchphase, in der sich der künstlerische Blick von der sakralen Bildtradition zu lösen und sich dem Irdisch-Menschlichen zuzuwenden beginnt. Das Gemälde Christus als Schmerzensmann (um 1537) und die Bildnisse von Martin Luther und seiner Frau Katharina von Bora (beide 1529) bezeugen diesen Übergang. Das Bildnis des Philipp Melanchthon (1555) von Lucas Cranach dem Jüngeren schließt hieran an.

Während Cranach und seine Werkstatt noch wiedererkennbare »Typen« schufen, stellt das Stifterbildnis Wilm Dedekes (um 1510) bereits sehr viel realitätsnäher individuelle Menschen der Zeit dar.

 

Die Schnitzereien auf dem holsteinischen Eckschrank (»Hörnschapp«, um 1600) zeigen Szenen aus dem Gleichnis des Verlorenen Sohnes.

Esszimmer

Das Esszimmer vereint Kunsthandwerk des 16. bis frühen 18. Jahrhunderts mit Bildnissen der Renaissance.

 

Die kostbare, geprägte und bemalte Ledertapete des Hochbarock (1720), die mit biblischen Szenen beschnitzte Bremische Truhe (um 1600) und der mit Obstholz furnierte Eichenschrank (18. Jh.) vermitteln die Atmosphäre eines altbremischen Repräsentationsraums des gehobenen Bürgertums.

 

Die Porträts zeigen Menschen in würdevoller, doch realitätsnaher Art und Weise. Ein neues bürgerliches Selbstbewusstsein führte in der Renaissance zu einer Blüte der Porträtkunst, deren Schwerpunkt auf der Entfaltung individueller Züge liegt. Die Liebe zum Detail zeigt sich in dem Herrenporträt (um 1540) ebenso wie in dem Bildnis einer Dame mit Nelke vor biblischer Landschaft aus dem Umkreis der niederrheinisch-westfälischen Malerfamilie tom Ring (um 1580).

Oberlichtsaal

Im Oberlichtsaal, dem ehemaligen Innenhof des Hauses, sind sakrale Werke des Mittelalters und Spätmittelalters (14.–16. Jh.) zu sehen.

 

Die Tafelmalerei dieser Zeit bevorzugte Holz als Bildträger. Insbesondere die Bilder, die das Thema der Maria lactans, der stillenden Mutter Gottes, variieren, veranschaulichen die Entwicklung von der sakralen Bildauffassung des Mittelalters hin zu einer realitätsnäheren der Renaissance. Conrad von Soest reduzierte die beiden Figuren in seiner goldgrundierten Flächenkomposition (um 1410/20) noch auf typische Merkmale, auf der Tafel aus der Werkstatt des Joos van Cleve (1510/20) wird das Motiv durch eine weltliche Stifterfigur erweitert. Die nachfolgenden Darstellungen Marias und anderer Heiliger werden bereits zunehmend in zeitgenössische Innenräume und Landschaften verlegt und mit profanen Attributen versehen, wodurch die zunehmende Verschmelzung religiöser und weltlichen Denkens ihren Ausdruck findet.

Gotischer Raum

Der Raum in Form einer kleinen Kapelle, mit Glasmalereien in den Spitzbogenfenstern, zeigt kostbare spätmittelalterliche Skulpturen. Das enge Zusammenspiel von Architektur und Plastik ist charakteristisch für die Gotik, wobei sich die Skulpturen allmählich aus der Wand lösen und verselbstständigen. Kennzeichnend für diese Zeit sind freistehende, leicht gebeugte Figuren mit einem S-förmigen geschwungenem Körper und einer weichen Zeichnung des Gesichts. Die Dargestellten nehmen individuelle, menschliche Züge an, doch religiöse Inhalte stehen nach wie vor im Vordergrund.

 

Die für die Gotik typische starke Ausbildung der Gewandfaltung läßt sich besonders an der Madonna mit der Birne aus dem Umfeld des Meisters von Osnabrück (um 1520) und der kostbaren Beweinungsgruppe (um 1515) von Tilman Riemenschneider, dem bedeutendsten spätgotischen Bildhauer, nachvollziehen. Wie fast alle Holzskulpturen war auch dieses Werk – ähnlich der frei in Raum hängenden Doppelfigur Maria mit Kind und Anna Selbdritt – ursprünglich bemalt und in Gold gefasst.

Schatzkammer

Der wertvolle Silberschatz, dessen Meisterwerke die Gold- und Silberschmiedekunst in die Zeit vom 16. bis 20. Jahrhunderts zu datieren sind, ist Eigentum der Compagnie der Schwarzen Häupter aus Riga.

 

Im Mittelalter schlossen sich unverheiratete deutsche Kaufleute in Riga zu der Bruderschaft zusammen, um neben weltlichen Aufgaben »für das Seelenheil ihrer Mitglieder« zu sorgen. Unter dem Patronat des Hl. Mauritius, dessen Darstellung alle Werke schmückt, wird diese Tradition einer eingeschworenen Patriziergesellschaft gepflegt. Heute – nach Vertreibung aus Riga und langer Suche nach einem geeigneten Ort – trifft sich die Compagnie alljährlich einmal im Schütting zum »Brudermahl«. Die Tafel wird zu diesem Anlaß mit wertvollen Teilen des Schatzes gedeckt.

 

Zu den kostbarsten Werken zählen das St. Georgsreliquiar von 1507 und die Prunkkanne in Gestalt des Hl. Mauritius auf einem Hippokampen (um 1665). Die Verbindung des Heiligen mit dem Mischwesen aus Pferd und Fisch in diesem barocken Meisterwerk erklärt sich aus der Bedeutung, die die Seefahrt für die Kaufleute besaß.

Treppensaal

Mit Parkett, Kassettendecke, großer Eichenholztafel, Prunkschrank und Gobelin trägt der Treppensaal den Charakter eines Festsaals. Herausragende Ölgemälde des Raums ist Paulus und Barnabas in Lystra von den Antwerpener Künstlern Hans Vredeman de Vries und Gillis Mostaert (1567); das unter dem Eindruck von Raffaels szenographischen Bildarchitektur entstand.

 

Das glanzvolle Ensemble wird bereichert durch barocke Gemälde (17. und 18. Jh.): Stilleben, Bildnisse und Darstellungen mythologischer Themen in reicher Farbigkeit und dynamischen Kompositionen. Einen Schwerpunkt bilden dabei die Porträts prunkvoll gekleideter Menschen, die das starke Repräsentationsbedürfnis des 17. Jahrhunderts dokumentieren. Auch die Stilleben bezeugen Reichtum, Prunksucht und Sinnesfreuden, doch schwingt in ihnen die Mahnung an die Vergänglichkeit (Vanitas) alles Irdischen mit.

 

Als Pendant zu dem gemalten kostbaren Gerät präsentieren die Vitrinen Beispiele der Gold- und Silberschmiedekunst. Weitere prunkvolle Einrichtungsgegenstände wie die Buchsbaum-Kerzenständer (um 1700) oder die Delfter Porzellan-Vasen (18. Jh.) vervollständigen das Ensemble.