Paula Modersohn-Becker Museum

Das Paula Modersohn-Becker Museum in der Bremer Böttcherstraße ist weltweit das erste Museum, das einer Malerin gewidmet wurde und präsentiert dauerhaft Meisterwerke seiner Namensgeberin. Zugleich ist das Gebäude mit seinem einzigartigen, bewegten Baustil ein Hauptwerk expressionistischer Architektur in Deutschland. Museum und Haus gehen auf den Kaffee HAG-Unternehmer Ludwig Roselius (1874–1943) zurück, der den Künstler Bernhard Hoetger (1874–1949) beauftragte, das Gebäude zu entwerfen, in dem seine Sammlung von Werken Paula Modersohn-Beckers untergebracht werden sollte. Am 2. Juni 1927 wurde das Haus eröffnet und von dem Bauherrn unter Voranstellung des Mädchennamens der Künstlerin »Paula-Becker-Modersohn-Haus« genannt. Durch Neuankäufe und Leihgaben der Paula Modersohn-Becker-Stiftung konnte die Kollektion von Roselius erweitert werden, so dass die ausgestellten Gemälde und Zeichnungen den hervorragenden Stellenwert dieser Künstlerin am Beginn der Moderne belegen. Überdies beherbergt das Museum die umfangreichste Sammlung von Skulpturen, Gemälden und Zeichnungen seines Architekten Bernhard Hoetger. Die Ausstellungsräume werden für Sonderausstellungen – zumeist der klassischen Moderne – genutzt.

Paula Modersohn-Becker Museum, Außenansicht

Biografie

1876 in Dresden geboren, verbrachte Paula Modersohn-Becker einen Großteil ihrer Kindheit in Bremen und entschloss sich bereits in jungen Jahren, Malerin zu werden. Nach einer knapp zweijährigen Ausbildung an einer privaten Mal- und Zeichenschule in Berlin setzte sie ihr Studium ab 1898 in der Künstlerkolonie Worpswede bei dem Figurenmaler Fritz Mackensen fort. In dem nördlich von Bremen gelegenen Dorf lernte sie auch ihren späteren Mann kennen, den Maler Otto Modersohn.

Neben zahlreichen Bildnissen entstanden in dieser Zeit impressionistisch anmutende Studien der Worpsweder Moor- und Birkenlandschaft, die bereits Paula Modersohn-Beckers Vorliebe für einen streng reduzierten Bildaufbau und ihre Abkehr vom Tiefenillusionismus erkennen lassen.
Nach wenigen Jahren im engen Kreis der Worpsweder Maler reiste sie 1900 erstmals nach Paris. Dort begegnete sie den Werken der französischen Avantgarde, die sie auf ihrer Suche nach neuen Ausdrucksformen bestätigten. Ab 1903 diente ihr zunehmend das Stilleben zur Klärung formaler Fragen; deutlich zeigt sich in dieser Gattung ihre Verwandtschaft zu Paul Cézannes Bildauffassung.
Im Mittelpunkt des Werkes von Paula Modersohn-Becker steht jedoch der Mensch; vor allem Kinder, alte Frauen und Worpsweder Bäuerinnen regten sie zu Portraits an. Dabei verzichtete sie auf eine genrehafte, idealisierende Darstellung der kindlichen und bäuerlichen Lebenswelt und fand zu einer Bildsprache, die dem Wesenhaften und Kreatürlichen der Portraitierten Ausdruck verleiht.


»Die Art, wie Mackensen die Leute hier auffaßt, ist mir nicht groß genug, zu genrehaft. Wer es könnte, müßte sie mit Runenschrift schreiben«, notierte sie 1902 in ihr Tagebuch.

Paula Modersohn-Becker in Worpswede, 1905

Zum Werk

In dem Gemälde Alte Armenhäuslerin mit Glasflasche von 1907 hat sie das verwirklicht, was sie anstrebte, zugleich zeugt es in seiner leuchtenden Farbigkeit von Pariser Einflüssen – der Malerei von Paul Gauguin und den Nabis.
In ihren zahlreichen Kinderbildnissen begegnet man scheuen Wesen ohne Liebreiz und Koketterie. Mit ernstem Gesichtsausdruck erscheint die lebensgroße Figur in dem Gemälde Großer stehender Mädchenakt von 1905/06 vor dunklem Hintergrund, der die reliefartig gearbeitete Haut in eine lebendige Oberfläche verwandelt.
Das Selbstbildnis begleitete Paula Modersohn-Becker während ihres gesamten Schaffens, es diente ihr als künstlerisches Experimentierfeld und zur Klärung des eigenen Standpunktes. Selbstbewusst blickend zeigt sich die Künstlerin in dem Selbstbildnis am 6. Hochzeitstag von 1906 als Halbakt im Zustand der Schwangerschaft. Mit den nahezu lebensgroßen Selbstakten begründete sie zu Beginn des 20. Jahrhundert eine neue Bildtradition.
Erst nach ihrem frühen Tod 1907 wurde ihr umfangreiches Werk gesichtet, und man erkannte in ihr eine Wegbereiterin der Moderne, die künstlerisch vieles von dem vorwegnahm, womit andere gerade erst begannen.

Paula Modersohn-Becker, Alte Armenhäuslerin mit Glaskugel und Mohnblumen, 1907